Großrazzia bei Goldankäufern: Bargeld, Goldbarren und Verdacht auf Sozialbetrug
Symbolfoto: Polizei WuppertalInsgesamt wurden zwölf Goldankauf-Geschäfte kontrolliert. Koordiniert wurde die Aktion von der Gemeinsamen Koordinierungsstelle Rhein-Wupper (GeKo), in der die Städte Wuppertal, Solingen, Remscheid, Leverkusen und Langenfeld zusammenarbeiten. Beteiligt waren unter anderem die Gewerbeämter, die Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln, Finanzämter, das Landesamt für Finanzkriminalität, die Staatsanwaltschaft Wuppertal, Jobcenter sowie die Polizei.
Händler stehen unter besonderer Beobachtung
Goldankauf-Geschäfte gelten nach der Gewerbeordnung als besonders überwachungsbedürftige Betriebe. Hintergrund ist das Risiko von Geldwäsche, Hehlerei und anderen Vermögensdelikten. Die Behörden prüfen deshalb regelmäßig die Zuverlässigkeit der Betreiber.
Nach Angaben der Ermittler werben viele Händler offensiv in Zeitungen und im Internet mit angeblich besonders attraktiven Ankaufspreisen. Kritiker bemängeln seit Jahren, dass Verbraucher ihren Schmuck dabei teilweise deutlich unter Wert verkaufen. Zudem wurden in der Vergangenheit immer wieder unerlaubte Hausbesuche zum Goldankauf bekannt, obwohl solche Geschäfte im Reisegewerbe gesetzlich verboten sind.
Geschäfte schließen während der Kontrolle
Bereits während der laufenden Überprüfungen zeigten sich erste Folgen. Mehrere Betreiber schlossen ihre Geschäfte noch während der Kontrollen oder kündigten an, den Betrieb in den kommenden Tagen einzustellen.
In anderen Fällen trafen die Einsatzkräfte überhaupt keine Verantwortlichen an, obwohl die betreffenden Unternehmen zeitgleich mit großflächigen Werbeanzeigen in der lokalen Presse um Kundschaft warben.
Die Gewerbeaufsicht prüft nun in mehreren Fällen, ob einzelnen Betrieben die weitere Geschäftsausübung wegen mangelnder Zuverlässigkeit untersagt werden kann. Teilweise besteht zudem der Verdacht, dass tatsächliche Betreiber hinter sogenannten Strohmännern verborgen werden oder Gewerbe überhaupt nicht ordnungsgemäß angemeldet wurden.
Goldbarren und Münzen beschlagnahmt
Auch bei den technischen Einrichtungen und der Dokumentation wurden zahlreiche Mängel festgestellt. Besonders kritisch bewerteten die Kontrolleure Auffälligkeiten bei den verwendeten Waagen. Da diese die Grundlage für die Wertermittlung von Schmuck und Edelmetallen bilden, können fehlerhafte Messungen direkte finanzielle Auswirkungen für Kunden haben.
Zudem konnten mehrere Händler die Herkunft ihrer Waren nicht ausreichend nachweisen. In einem Geschäft beschlagnahmten die Ermittler deshalb Goldbarren und Münzen zur weiteren Prüfung.
Für Verwunderung sorgte zudem ein anderer Standort: Dort fanden die Beamten mehrere hochwertige Limousinen direkt innerhalb der Geschäftsräume vor. Die ungewöhnliche Nutzung zieht nun zusätzlich ein bauordnungsrechtliches Verfahren nach sich.
Darüber hinaus laufen weitere Untersuchungen wegen möglicher Verstöße gegen das Geldwäschegesetz sowie wegen Mängeln in der Kassenführung.
Verdacht auf Sozialbetrug
Besonders brisant sind die Erkenntnisse der Jobcenter. Mehrere angetroffene Beschäftigte sollen Leistungen bezogen haben, ohne ihre Tätigkeit ordnungsgemäß gemeldet zu haben.
Ein Mitarbeiter räumte nach Angaben der Behörden sogar ein, dass im Betrieb eigens für mögliche Kontrollen vorbereitete Minijob-Verträge vorgehalten wurden. Ob diese tatsächlich den realen Beschäftigungsverhältnissen entsprachen, ist nun Gegenstand weiterer Ermittlungen.
Bei zwei Beschäftigten fanden die Einsatzkräfte zudem Bargeldbeträge im hohen vierstelligen Bereich. Die Jobcenter prüfen jetzt, ob Sozialleistungen zu Unrecht bezogen wurden und gegebenenfalls zurückgefordert werden müssen.
Weitere Verfahren folgen
Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen, Edelmetalle und Beweismittel wird die Behörden noch längere Zeit beschäftigen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Razzia eine Vielzahl von Verwaltungs-, Ordnungswidrigkeiten- und möglicherweise auch Strafverfahren nach sich ziehen wird.
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