18. September 2026Claudia Otte
Pflegedienste im Visier – Staatsanwaltschaft Wuppertal führt Großrazzia in NRW
Pkw 2Bei den Beschuldigten handelt es sich um türkische, marokkanische, ägyptische und deutsche Staatsangehörige, teils mit doppelter Staatsangehörigkeit, im Alter zwischen 20 und 54 Jahren.
Seit Dezember 2025 ermittelt eine gemeinsame Ermittlungsgruppe unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen, wegen Geldwäsche, Steuerdelikten sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt.
Der derzeit angenommene Schaden: rund elf Millionen Euro.
Ausgangspunkt waren anonyme Anzeigen. Nach umfangreichen Ermittlungen entstand der Verdacht, dass Pflegedienste Leistungen der ambulanten Intensivpflege bei Krankenkassen abgerechnet haben sollen, obwohl diese Leistungen entweder gar nicht oder nicht vollständig erbracht worden seien.
Zudem sollen Pflegeleistungen teilweise von Personal erbracht worden sein, das nicht ausreichend qualifiziert gewesen sein soll. In diesen Fällen wären die Leistungen nach Angaben der Ermittler nicht abrechnungsfähig gewesen.
Die Durchsuchungen liefen gleichzeitig in Düsseldorf, Dortmund, Wuppertal, Hagen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bottrop, Lüdinghausen, Duisburg, Mettmann, Monheim, Hürth sowie im hessischen Kelsterbach.
Dabei machten die Einsatzkräfte auch eine erschreckende Entdeckung: In einer Wohnung in Düsseldorf trafen sie auf ein pflegebedürftiges Kind, das sich nach Angaben der Behörden in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand befand. Sofort wurde der Rettungsdienst alarmiert. Das Kind kam stationär in ein Krankenhaus. Kinderschutzbund und Jugendamt wurden informiert.
Ein bereits bestehender Haftbefehl gegen eine 39 Jahre alte türkische Staatsangehörige wurde vollstreckt.
Auch gegen ihren 44-jährigen deutschen Ehemann erhärtete sich nach Angaben der Ermittler der Tatverdacht. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl beantragt. Er sollte noch am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden.
In einem weiteren Objekt trafen die Beamten auf eine 54-jährige georgische Staatsangehörige, die sich nach Behördenangaben illegal in Deutschland aufhielt und arbeitete. Sie wurde festgenommen.
Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches analoges und digitales Beweismaterial sicher. Darunter befand sich auch ein Arztstempel, der nach bisherigen Erkenntnissen möglicherweise zur Fälschung von Verordnungen genutzt worden sein könnte.
Besonders umfangreich waren die Vermögenssicherungen. Insgesamt wurden Vermögenswerte in Höhe von 5,9 Millionen Euro arrestiert.
Pkw 1Darunter befanden sich mehrere hochwertige Fahrzeuge – unter anderem ein Maybach, ein Mercedes AMG und ein Lamborghini. Hinzu kamen rund 51.000 Euro Bargeld, Gold im Wert von etwa 10.000 Euro, Schmuck im Wert von rund 265.000 Euro, hochpreisige Taschen für etwa 16.000 Euro sowie Uhren im Gesamtwert von rund 140.000 Euro.
SchmuckZusätzlich ließen die Ermittler Sicherungshypotheken in Höhe von 3,3 Millionen Euro in die Grundbücher von Immobilien der Beschuldigten eintragen.
Bei Hauptbeschuldigten in Mettmann fanden die Beamten außerdem eine scharfe Schusswaffe samt Munition, Marihuana und Anabolika.

An dem Großeinsatz beteiligt waren neben der Staatsanwaltschaft Wuppertal unter anderem die Polizei Düsseldorf, das Hauptzollamt Düsseldorf und das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW.
Die Ermittlungen dauern an. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gelten alle Beschuldigten als unschuldig.
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